Über mich

Nein – ich bin kein Physiker! Und ich habe auch nicht Luft- und Raumfahrttechnik studiert, ebensowenig eine naturwissenschaftliche Disziplin. Ich bin von Berufs wegen mein Leben lang Rockmusiker gewesen, habe in zahllosen Bands gespielt, Studioaufnahmen gemacht, Musik komponiert und produziert und erteile hier und da ein paar Lektionen.
Dennoch hat das Schreiben immer einer große Rolle in meinem Leben gespielt – zumindest seit den Tagen des Studiums. (Ich war keiner von denen, die ihre Hausarbeiten nie in Angriff genommen haben, weil sie Angst vor der ersten, so gähnend leeren Seite hatten.)

Vom Studium her bin ich  „Geisteswissenschaftler“ (Publizistik und historische Musikwissenschaft). Gelesen habe ich viele Sachbücher, klassische Philosophie und ja, auch Naturwissenschaft, und da überwiegend populärwissenschaftliche Darstellungen  etlicher Autoren. Zum Beispiel die immer schön zu lesenden Bücher von Hoimar von Ditfurth, um nur einen Autor zu nennen.
Und daneben habe ich SF-Romane gelesen: antiquarische, alte, neuere und aktuelle. Aus diesen Lektüren heraus spüre ich den Kick, selbst SF-Bücher zu schreiben. Den „Realismus“ in den Bücher gewichte ich  so, wie ich ihn brauche, und nach einem strengen Leitmaß: Geht es um die Figuren? Geht es um die Geschichte? Wird die ganze Sache spannend?
Irgendwo habe ich mal ein Zitat gelesen von Isaac Bashevis Singer, das mir immer ein Stück weit ein Leitstern war – und der auch in der SF berücksichtigt werden darf. Zitat:

„Die Schriftsteller, die nicht über ihre Figuren reden, sondern über Probleme – soziale oder andere Probleme – rauben der Literatur ihr eigentliches Wesen. Sie hören auf, zu unterhalten.“

Ich fand diese Aussage immer ganz interessant – und tue das noch. Und das ist auch der Grund, warum es bei mir nicht die zehntausendste Beschreibung irgendwelcher Raketenantriebe gibt oder diffizile Pamphlete darüber,  unter welchen Umständen Reisen im Weltraum möglich wären und unter welchen nicht. (Und wehe, ich mache das dann trotzdem …) Außerdem bleibt alle SF – auch die entschiedenste HardSF – reine Fiktion und damit (zumindest vorerst) Fantasy. „Dichtung“ im weitesten Sinne und auch Romane im besonderen, sind und bleiben immer Fantasy! Ganz egal, wie weit darin ein echter oder scheinbarer „Realismus“ enthalten ist.

Dennoch regiert unter vielen Lesern von SF offenbar die Meinung, dass alles Quatsch sei, was wissenschaftlich nicht belegbar oder zumindest in der Realität möglich wäre. Ich behaupte nun: Selbst die „realistischste Hard-SF“ ist und bleibt fiktional und enthält somit zwangläufig Fantasy-Elemente, ob die nun gewollt sind oder nicht. 

Wenn ich mir manche Kritiken durchlese, auch bei den Kollegen, so scheint es zwei Hauptlinien zu geben: Wird sachlich beschrieben und dargelegt, heißt es: „Laaaangweilig, hält die Handlung auf“ und so fort. Ist einem Autor die Geschichte wichtiger als die „Sache“ (also die Menschen und ihre Schicksale wichtiger als die Frage, aus welchem Material die Vorratsbehälter für irgendwelche Gase im Weltraum sein müssen), dann heißt es: Fantasy.

Oder, wie ein Leser auf meinen Exoplanet –  Mission Kepler 438-b reagiert und seine Kritik übertitelt hat: „Spannend – aber sonst Quatsch“.
Leute, wirklich: Was gibt es denn Besseres für eine Geschichte, als dass sie spannend und damit unterhaltend und  großartig ist? Das schönste und beste Kompliment, das einem Autor von Genre-Literatur gemacht werden kann, ist doch:  Spannend! Hat eine Geschichte das erreicht, hat sie alles erreicht!
Der Rezensent kommt offenbar nicht auf die Idee, dass er sich mit seinem Zusatz „… aber sonst Quatsch“  nur selbst entwertet. Denn ich muss zurückfragen: Was ist das für ein Mensch, der „Quatsch“ so spannend findet und sich davon so fesseln lässt, dass er ein ganzes Buch dieser Kategorie liest?
Auf diese Spielart scheinbarer Rezensionen folgen noch etliche andere, die  das Haar in der Suppe suchen und dabei das Wichtigste übersehen: dass diese „Suppe“ für ein paar Stunden gute Unterhaltung sorgt. Viele solcher Besprechungen entlarven viel eher die Leser als die Bücher. Wie auch immer, mit James N. Frey sage ich:  Spannung ist nicht alles – aber ohne Spannung ist alles nichts.

In diesem Sinne veranschauchlichen diese Zeilen meine Person besser als (womöglich  gefakte) Angaben über irgendwelche Phasen in meinem Leben, in denen ich in  Werbeagenturen „Erfahrungen gesammelt“, in IT-Firmen technische Innovationen durchgedrückt oder wenigstens im  Planetarium um die Ecke die Glaslinsen der Teleskope gewienert habe. Was mich dann angeblich dazu qualifiziert, Hard-SF zu schreiben.

O tempora, o mores!