Interview mit dem Autor

Anbei ein Interview zum Buch DER ZEHNTE PLANET, in dem viele Hintergründe ausgeleuchtet werden.

Q: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Ihren Roman DER ZEHNTE PLANET zu schreiben?

A: Auslöser war ein Bericht im September 2006, wonach die originalen Filmspulen der bemannten Mondlandungen verschwunden sein sollen. Die Vorstellung, die Originale seien weg, hat mich von Anfang an elektrisiert. Ich kann bis heute nicht glauben, dass eines der wichtigsten Dokumente der Menschheitsgeschichte verschwindet und die NASA so nachlässig damit umgegangen sein soll.
Jedenfalls ist meine narrative Fantasie dadurch in Gang gekommen und die Glut, die dadurch entfacht wurde, hat über Jahre angehalten und letztlich den Roman hervorgebracht. Ich habe die berühmten W-Fragen gestellt und mir überlegt, wieso etwa die US-Regierung oder die NASA interessiert sein könnten, die Gründe für das Verschwinden der Filmaufnahmen zu vertuschen oder aber, solche Meldungen überhaupt erst in Umlauf zu bringen.

Q: Was hat es mit dem Titel „Der Zehnte Planet“ auf sich? Wie steht er im Zusammenhang mit dem Verschwinden der Filmrollen?

A: Der Titel nimmt Bezug auf Phänomene, die innerhalb der Handlung aufkommen, mit der Mondlandung direkt jedoch nichts zu tun haben. Ein Blick auf das Buchcover kann ja den einen oder anderen Hinweis geben. Einer der Bezüge liegt darin, dass die so genannte Arecibo-Botschaft in einer veränderten Form wieder auf die Erde zurückkommt, von der sie in den frühen Siebziger-Jahren ausgesandt worden war. Diese Botschaft, die in Form eines Radiowellensignals vom Arecibo-Observatorium in Puerto Rico zum Kugelsternhaufen Messier 13 ausgesandt wurde, dient dem Zweck, außerirdischen Intelligenzen Informationen über unsere Existenz zu vermitteln. Doch diese Botschaft – einst von uns ausgesandt – kehrt in einer veränderten Form zu uns zurück. Bei der Dechiffrierung der Veränderungen finden die Forscher heraus, dass in unserem Sonnensystem ein zehnter Planet eingezeichnet ist, was Verblüffung und viele Fragen auslöst. Mit dem zehnten Planeten Quaoar oder dem Phänomen Transpluto zum Beispiel hat der Thriller aber nichts zu tun. Ebenso nicht mit den Diskussionen über die Fragen, ob mit dem einen oder anderen Himmelskörper ein weiterer, also zehnter, Planet nun in unserem System entdeckt wurde oder nicht.

Q: Bei der Lektüre Ihres Buches ist mir aufgefallen, dass die darin auftretenden Außerirdischen selbst nie zu sehen sind. Es sind Spiegelbilder der Handelnden, die auf die Bühne treten. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

A: Ich habe mich immer schon gefragt, warum eigentlich in Science-Fiction-Büchern und vor allem auch in Filmen die Außerirdischen zumeist in einer Form auftreten, die so etwas Amphibienhaftes hat oder irgendwie den aufrechten Gang intelligenter „Echsen“ zeigen, die vor Schleim nur so dahintriefen. Das ergibt auch hinsichtlich der verwendeten Requisiten einen gewissen Widerspruch: Sie kommen in ultramodernen, quasi sterilen Raumschiffen hier an, und ich frage mich: Wie bleibt denn da die Elektronik funktionsfähig bei dem ganzen Gesapper? Wie haben sie, bei ihrer Erscheinungsform, diese Technik überhaupt konstruieren können? Und wie bedienen sie die Gerätschaften? Dem wollte ich mit einem Kontrapunkt beikommen.

Q: Und wieso ausgerechnet in Form von zum Teil dreidimensionalen Spiegelbildern der Protagonisten? Wieso nicht etwa eine andere Spezies, die ohne „Gesapper“ daherkommt?

A: Ich glaube, dass die Formen, wie wir uns Außerirdische vorstellen, von zwei Polen her geprägt sind. Entweder wir stellen sie uns als zu anthropomorph vor, d. h. wir gehen davon aus, dass sie uns sehr ähnlich sind, körperlich, geistig, emotional. Oder wir verzerren sie in unserer Vorstellung und entfernen sie sozusagen künstlich von uns. Dazwischen gibt es Übergänge. ET zum Beispiel war so ein außerirdischer Frosch mit Einsicht, Empathie und übersinnlichen Fähigkeiten. Alien hingegen eine quasi naturalistische Spezies mit Verstand, aber ohne menschliches Mitgefühl. Und doch hatte die Form etwas Menschenartiges. Ich hingegen meine, dass es unzureichende Bilder sind, die wir uns von ihnen machen, ganz gleich, wie wir sie uns vorstellen. Dies, weil wir gar nicht anders können, als Intelligenzformen anzunehmen, die der unseren zumindest ähnlich sind bzw. auf ähnlichen, quasi existenziellen Fundamenten beruhen.

Q: Welche wären das?

A: Ich könnte mir vorstellen, dass einige dieser existenziellen Fundamente überall gleich sind, deren unterster Imperativ lautet: Überlebe! Das heißt, in welcher Form auch immer: Irgendwie wird es Stoffwechselprozesse geben, die Wesen werden sich ernähren und vermehren müssen, Behausungen brauchen, Zuwendungen verteilen und leider wahrscheinlich auch Kriege führen. Einige dieser Verhaltungen werden wohl überall im Universum gleich ablaufen. Und die intelligente Interpretation von „Welt“, ganz gleich, ob sie nun menschlich oder außerirdisch ist, wird sich diese Fundamente früher oder später bewusst machen und sich ihnen stellen müssen.

Q: Was wären die Alternativen zu einem Kosmos des Konflikts und des Krieges? Zumal wir ja nur ein Universum kennen.

A: Das weiß ich nicht. Denkbar wären andere Dimensionen oder Paralleluniversen, wo das nicht so läuft. Wo die Konfliktbehaftung des Daseins nicht so ausgeprägt oder womöglich gar nicht vorhanden wäre.

Q: Also eine Art Paradies?

A: Das ließe sich in der Tat als ein Ort völliger Konfliktfreiheit definieren. Dort, wo das eine Wesen (z. B. Fleischfresser) nicht auf Kosten des anderen (Pflanzenfresser) leben muss, wären in der Tat paradiesische Umstände realisiert. Das wäre das berühmte Bild von den „Lämmern, die bei den Wölfen wohnen.“ Ob wir Menschen das jedoch aushalten könnten, ist eine ganz andere Frage. Schließlich motivieren wir uns durch Konflikte überhaupt erst und bringen uns und unsere Umwelt in Gang. Und das muss der „unbewegte Beweger“ wohl auch im Hintersinn gehabt haben, sonst hätte er die Welt nicht so erschaffen, wie sie sich uns zeigt. Als ein Ort des vielfältigen Kampfes, des ewigen Konflikts. Diesen Kampf ausgetragen zu sehen, ist es ja auch, was uns in die Welt der Fiktion treibt. Wir lieben den Blick auf Konflikte und wie sie gelöst werden. Und andererseits empfinden wir fiktionale Harmonie meist als unerträglich.
Jedenfalls habe ich einen Weg gesucht, mir die prinzipielle Unvorstellbarkeit außerirdischer Spezies sozusagen dramatisiert vorzustellen und sie in meinem Thriller auch entsprechend darzustellen. Und dabei bin ich auf die Idee mit den Spiegelungen gekommen, die mir zudem ermöglicht hat, den anthropozentrischen Mittelpunktswahn abzubilden: Wir sehen in allem, was wir betrachten, letztlich doch immer nur uns selbst.

Q: Sie beschreiben die Außerirdischen auch dadurch, dass es sich um eine rein geistige Energie handelt, die auf dem Mond verweilt. Wie hat man sich das vorzustellen?

A: Die Antwort hierzu hängt mit Ihrer vorigen Frage zusammen. Es geht um eine existenzielle Form hinsichtlich der Frage, wie Leben möglich sein könnte, wodurch es dominiert und nach welchen Kriterien es definiert wird. Mir hat die Vorstellung immer gefallen, neben dem erdgebundenen, materiellen, sozusagen nur in Verbindung mit körperlichem Sein auftretenden Geist auch eine rein geistige Existenz zu denken, die allem Körperlichen entbunden ist. Die sozusagen nur als Energie oder Prinzip existiert. In einem gewissen Sinn bin ich damit auf den Dualismus Descartes´ zurückgefallen. Und sage mir: Warum eigentlich nicht? Nur weil Vorstellungen oder Ideen alt sind und angeblich überkommen, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht wahr sein könnten. Intelligenz außerhalb von Gehirnen ist zudem an anderer Stelle glaubhaft aufgewiesen worden.

Q: Das alles klingt fast nach etwas Göttlichem …

A: Das könnte es ja auch sein. Ich bin der Ansicht, dass viele der Fantasien, die im fiktionalen Raum breitgemacht werden, also in Kunst und Literatur, im Film, der Oper usw. nichts weiter als Säkularisierungen letztlich christlicher Vorstellungsinhalte sind – in unserem Kulturkreis jedenfalls. In etwa nach der Formel: Viele Menschen erlauben sich die tradierten Formen des Glaubens nicht mehr. Aber in jedem Spukroman, wo Menschen als Verstorbene und Geister wieder auftreten und in die Welt der Lebenden einwirken, schlängeln sich diese Vorstellungen quasi zur Hintertür wieder herein. Denn wo es spukt, muss es einen Geist geben. Wo es einen Geist gibt, muss es eine jenseitige Welt geben. Und wo es diese gibt, nimmt man nur zu gern eine übergeordnete Instanz an, die das alles regelt. Auf diese Weise „glauben wir wieder“ über Umwege und „um die Ecke“. Das ist offenbar für viele sehr beruhigend – und wahrscheinlich auch der Grund für die Faszination für Gruselgeschichten und Ähnliches.

Q: Sie haben Ihr Buch als Kindle-ebook auf den Markt gebracht. Wieso haben Sie diese Veröffentlichungsform gewählt und sind nicht über traditionelle Verlage gegangen?

A: Das habe ich versucht. Mein Manuskript wurde aber von den Literatur-Agenten abgelehnt. Ich habe dann, auch eingedenk der Erfahrungen in den vergangenen Jahren, überlegt, diese neue Gelegenheit zu nutzen, über Amazon direkt zu publizieren. Seit April 2011 gibt es ja den Kindle-Shop, und ich bin jetzt – gerade 12 Monate später – schon dabei. Und das gefällt mir sehr gut. Mir gefällt es auch, direkt an Leserinnen und Leser heranzutreten und ohne Umwege über Literaturagenturen, Buchverlage, Zwischenhändler, Buchhändler am Ende eines Prozesses zu stehen, in dem man als Autor offenbar nur als notwendiges Übel angesehen wird. So hoffe ich, können die Leserinnen selbst entscheiden, ob sie ein Buch mögen oder nicht. Die umfangreichen Leseproben bieten jedenfalls genügend Anschauungsmaterial, um sich ein Bild des jeweiligen Buches und seines Autors zu machen.